Hans Schwaderer im Interview

Best of IT-Solutions 2009

 

Herr Schwaderer, Umweltbewusstsein und Green-IT missbrauchen Manager gerne, um ihr Unternehmen in ein besseres Licht zu rücken. Ist die Botschaft noch nicht angekommen?

 

Hannes Schwaderer: Das Thema ist weit mehr als ein Marketing-Gag. Es wird uns über die nächsten Jahrzehnte begleiten. Und zwar nicht nur im IT-Bereich. In der Automobilbranche müssen die Hersteller inzwischen auf einen CO2-Ausstoß von 130 Milligramm runter. Wenn wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen wollen, die lebenswert ist, weil die Umwelt intakt ist und wenn wir ernsthaft glauben, dass das, was wir an Klimawandel schon sehen, keine Ausnahmeerscheinung ist, dann müssen wir jetzt etwas tun. Wir dürfen nicht auf andere warten.

 

Diese Realität ist in Unternehmen noch nicht wirklich angekommen. CIOs wissen oft nicht einmal, wie hoch die monatlichen Stromkosten für das Rechenzentrum sind, das sie betreiben…

 

Der Wert für einen CIO liegt darin, durch energieeffiziente IT einen Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen schaffen zu können. Niemand kann sich in den Zeiten der Energiekrise in Sicherheit wiegen. Da müssen Konzepte her, mit denen sich der Energieverbrauch deutlich senken lässt.

 

Nennen Sie Beispiele!


Durch Konsolidierung und Virtualisierung lässt sich Platz im Rechenzentrum schaffen und der Energiebedarf enorm senken. Wir erreichen in Bereichen unserer IT-Infrastruktur durch Konsolidierung Einsparungen von etwa 80 Prozent. Konkret haben wir acht alte Server durch einen mit neuester CPU-Technologie ersetzt.
Auch durch die geringere Wärmeabstrahlung lässt sich letztlich Geld sparen.

 

Intel hat im letzten Jahr in Portland in den USA ein Rechenzentrum „auf der grünen Wiese“ eröffnet, nach den Regeln der Kunst in Sachen Energieeffizienz…

 

Wir haben das Rechenzentrum nach dem Prinzip unserer Reinräume zur Chip-Produktion aufgebaut, also in drei Stockwerken: eins für die Kühlung, eins für die Rechner und eins für die Abluft. Die Luft flutet von unten durch die Rechner hindurch, und wird durch Kamine von oben abgesaugt. Und zwar so, dass Abwärme gar nicht erst in den Raum gelangt. Während herkömmliche Rechenzentren bei einem Watt Serverleistung über drei Watt Leistung für die Lüftung und Kühlung einsetzen, sind wir bei einem deutlich besseren Verhältnis von 1:1,5 – im nächsten Schritt wollen wir auf 1:1,2 herunter.

 

Auch die Entwicklung von Prozessoren bleibt nicht stehen. Stichwort: Intel Atom Prozessoren.

 

Über 30 Jahre haben wir das Megaherz-Rennen der Chipbranche mitgemacht. Irgendwann wird eine Grenze erreicht sein. Statt den Takt zu verdoppeln und so den Stromverbrauch zu vervierfachen setzen wir nun auf unsere Intel Core Technologie, reduzieren den Takt und benötigen dann weniger Strom. Unsere neuen Atom Prozessor haben wir von Grund auf für Energieeffizienz entwickelt, weil sie vor allem für Handheld-Devices gedacht sind. Der Stromverbrauch liegt zwischen 0,6 und 2,5 Watt. In unseren Labors bauen wir derzeit Prozessoren mit 80 Kernen, einem Teraflop Leistung, bei einem Energieverbrauch von 46 Watt. Zum Vergleich: Ein Laptop verbraucht heute im Schnitt 35 Watt.

 

Gartner sieht Green-IT derzeit auf der Höhe des Hypes, in drei bis fünf Jahren soll das Tal der Tränen durchschritten sein und sich das Thema etabliert haben.
Sehen Sie das auch so?

 

Ich gehe davon aus, dass Energieeffizienz zur Pflicht wird. Die IT ist heute für zwei Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich, also für doppelt so viel wie die Luftfahrt-Industrie. Doch hat die IT ein höheres
Wachstum, allein im Notebook-Markt 35 Prozent pro Jahr. Heute nutzen zwei Milliarden Menschen das Internet, in 2012 werden es voraussichtlich über vier Milliarden sein. In den nächsten Jahren wird sich die Anzahl der IT-Komponenten und –Geräte verdoppeln oder verdreifachen. Und der Anteil der IT am CO2-Ausstoß würde auf sechs, acht oder zehn Prozent steigen, sofern nichts getan würde.

 

Sie sprachen die zentralen Einsparmethoden an, die Virtualisierung und Konsolidierung, intelligente Komponenten etc. Kann die IT auch außerhalb jener zwei Prozent CO2-Verantwortlichkeit etwas für die Umwelt tun?

 

Ein gutes Beispiel dafür bietet UPS. In sieben Testgebieten in Oregon hat UPS Navigationssysteme
für die Fahrzeuge eingesetzt, die Routen herausgesucht haben, auf denen der Fahrer bevorzugt rechts abbiegen sollte, da das Linkabbiegen mehr Zeit und Energie kostete. Dadurch sparte UPS in der Test-periode 1,2 Millionen Meilen an Kilometern, 850 Tonnen CO2 und 365000 Dollar für Sprit.

 

Das wäre sicher auch ein interessantes Projekt für den Best of IT-Solutions-Award, den CIO und Computerwocheim kommenden Jahr vergibt, und fürden Sie in der Jury vertreten sind…

 

Bei dem Award geht es darum, das Bewusstsein, dass Energieeffizienz wichtig ist, in die Köpfe der CIOs zu
bekommen. Es geht um Leuchtturmprojekte, die zeigen, wie Energieeffizienz umgesetzt werden kann. Dazu passt natürlich auch ein Projekt, das sich eher auf die 98 Prozent des CO2-Verbrauchs auswirkt.


Wie sieht es bei Ihnen persönlich mit der CO2-Bilanz aus?


Ich wohne in einem Holzhaus, das seine Heizung über ein Hackschnitzelwerk betreibt. Diese Heizung absorbiert so viel Kohlendioxid wie es verbraucht, hat also eine neutrale CO2-Bilanz. Zudem hat das
Haus höchste Energieeffizienzwerte. Die Holzwand speichert so viel Wärme wie eine 60 Zentimeter dicke Ziegelwand. Und natürlich versuche ich meine Kinder dazu zu bringen, das Licht im Kinderzimmer
auszumachen, wenn sie morgens zum Frühstücken in die Küche kommen. Aber wie Kinder halt so sind …

 

Das Interview führte Andreas Schmitz

 

Lesen Sie mehr zum Thema Energie-Effizienz und Green IT im CIO-Special "IT-Ökologie".